Am Montag, 24. August 2026, lud die Fraktion Linke & GAL zu der Informationsveranstaltung „Wie geht’s unserer Wakenitz“ und anschließendem Austausch ein. Das Interesse war riesig, viele fanden keinen Platz mehr in der großen Aula der Volkshochschule am Falkenplatz. „Einerseits tut es mir sehr leid, dass wir viele nach Hause schicken mussten, andererseits ist es ein deutliches Zeichen, dass den Lübeckerinnen und Lübeckern das Thema Wakenitz unter den Nägeln brennt“, so GAL-Mitglied Katja Mentz, die ihre Fraktion Linke & GAL im Ausschuss für Umwelt, Sicherheit und Ordnung vertritt.
Nach der Begrüßung, in der Katja Mentz nochmals schilderte, dass die Ausstellung „Wakenitz – 25 Jahre Naturschutzgebiet“ für sie ein dringendes Warnsignal war und dazu führte, dass sie im Mai 2025 im Ausschuss für Umwelt, Sicherheit und Ordnung einen Antrag stellte, dass ein Plan zur Verbesserung der Gewässerqualität und Förderung der Biodiversität erarbeitet und eine kreis- und länderübergreifende Kooperation angestrebt werden muss.

Konzeptskizze der Verwaltung
Als erstes stellte Ute Obel, Bereichsleiterin Umwelt, Natur- und Verbraucherschutz, die Konzeptskizze zur nachhaltigen qualitativen Verbesserung der Gewässerqualität und Förderung der Artenvielfalt vor, ging auf die Ursachen des heutigen Zustands ein, erläuterte, welche Verwaltungsbereiche der Hansestadt Lübeck mit dem Thema Wakenitz auf unterschiedliche Weise befasst sind und wie eine naturverträgliche Freizeitnutzung erhalten bleiben kann. Für die kurz-, mittel- und langfristigen Maßnahmen, die in der Konzeptskizze enthalten sind, brauche es auch einen länder- und kreisübergreifenden koordinierten Ansatz, um nachhaltige Wirksamkeit zu entfalten.
Hier die gezeigte Präsentation sowie die ausführliche Konzeptskizze zum Download:
Plädoyer des Naturschutzbeirats
Anschließend ging Joachim Schulz, Vorsitzender des Naturschutzbeirats, der sowohl Verwaltung als auch die Politik im Umweltausschuss berät, auf die Belange des Naturschutzes ein, auf Ursachen des Zustands des Lebensraums sowie Erkenntnisse und Wirkung bestimmter Maßnahmen. Auch dankte er jenen, die sich seit vielen Jahren, teilweise Jahrzehnten, fachkundig ehrenamtlich für die Wakenitz engagieren und konkrete Vorschläge gemacht haben. „Das Ökosystem Wakenitz steht zunehmend unter Druck. Die wesentlichen Belastungen sind menschengemacht verursacht und werden aktuell durch den Klimawandel verstärkt. Dazu gehören insbesondere Nährstoffeinträge, intensive Flächennutzungen im Einzugsgebiet und zunehmender Nutzungsdruck auf Gewässer und Ufer. Die heutige Situation ist Ergebnis einer jahrzehntelangen Entwicklung und kann auch deshalb nicht mit einer einzelnen Maßnahme gelöst werden“, so Joachim Schulz.
Der gesamte Beitrag kann ebenfalls nachgelesen werden:
Stimmen aus dem Publikum
Im Anschluss bestand die Möglichkeit für Fragen und Statements. Ein Gründungsmitglied des Altstadtbad Krähenteich e.V. beklagte, dass der Verein in diesem Jahr 8.000 Euro für das Mähen im Badebereich ausgegeben habe und dazu noch ein Gutachten eingefordert wurde.
Ein anderer schilderte seine Beobachtungen der massiven Zunahme an Gänsen, die in der Zeit der Mauser Pflanzen im Uferbereich abfressen würden. Hauptursache sei der Klimawandel, womit er die Position des Podiums stärkte, dass die warmen Temperaturen und das besondere Licht im Frühjahr den Pflanzenwuchs in diesem Jahr besonders früh und stark entfacht hatten.
Eine weitere Teilnehmerin, die derzeit den Verein Mehr Wakenitz gründet, berichtete von ihren Messungen und Versuchen, Wasserpest (Elodea) in einem bestimmten Verfahren mitsamt der Wurzel zu entfernen. Zwei Jahre lang hätte es auf ihrer Versuchsfläche kein Nachwachsen dieser Pflanze gegeben.
Ein Naturschutzfachmensch und Verwaltungsmitarbeiter aus dem Kreis Herzogtum Lauenburg schilderte, wie in wenigen Jahren mit gezielten Maßnahmen, wie zum Beispiel Moorschutz und Wiedervernässung, einzelnen Projekten und Biotopvernetzung gelungen ist, die Renaturierung am Schalsee einzuleiten.
Insgesamt reichten die fast zwei Stunden nicht aus, um alle zu Wort kommen zu lassen, die etwas beizutragen hatten. Dass es nicht die letzte Veranstaltung zu dem Thema sei, sicherte Katja Mentz zu. „Die Wakenitz wird uns die nächsten Jahre und Jahrzehnte beschäftigen; der Austausch von Informationen bleibt wichtig, so dass möglichst koordiniert an einem Strang gezogen wird.
„Schreiben Sie alle anderen Fraktionen an“, appellierte Katja Mentz am Ende an die Veranstaltungsgäste. „Damit die Konzeptskizze des Bereichs UNV möglichst schnell auf den unterschiedlichen Ebenen in die Umsetzung kommt und Fördermittelanträge beim Land und Bund gestellt werden, braucht es vor allem zunächst mehr Personal und finanzielle Mittel für den Bereich Umwelt und Naturschutz. Politik beschließt den Haushalt 2027 Ende September.“
Allen Beteiligten dankte sie ausdrücklich für den Austausch und die Informationen.
