Zukunft der Pflege in Lübeck sichern – Zwischen Kostendruck und Menschlichkeit
Gemeinsam hatten die Fraktionen SPD und Linke & GAL zu einer öffentlichen Veranstaltung unter dem Titel „Zwischen Kostendruck und Menschlichkeit“ am 01.12.2025 in die Aula der Volkshochschule am Falkenplatz eingeladen. Mehr als 60 Fachleute, Angehörige und Betroffene folgten der Einladung – ein starkes Zeichen für die Bedeutung des Themas Pflege in Lübeck.
„Die Zahl der pflegebedürftigen Menschen steigt – und mit ihr die Sorge, wie wir das alles finanzieren sollen. Pflegebedürftige alte Menschen werden zunehmend als Kostenfaktor problematisiert. So verläuft leider auch die Diskussion, die wir bisher in der Bürgerschaft und im Sozialausschuss führen. Das möchten wir verändern“, führten Bianca Szygula (Die Linke), Katja Mentz (GAL) und Renate Prüß (SPD) zur Begrüßung ein. „Wir wollen öffentlich mit Expert:innen und Betroffenen über verschiedene Bedarfe von älteren Menschen und eine würdevolle Pflege sprechen.“
GAL kritisiert: CDU, SPD und FDP verspielen große Chance für Verkehrswende
Foto: K.Mentz /GAL
Am Tag der Bürgerschaft fand vor dem Rathaus – trotz regnerischen Wetters – eine Kundgebung statt, zu der Fridays for Future Lübeck und der Verein Tram für Lübeck aufgerufen hatten. „Keine Tram ist auch keine Lösung“ stand auf einem Schild; der Chor der Anwesenden forderte: „Verkehrswende jetzt“ und „Was wollen wir? Eine Straßenbahn!“
Mit dieser Vision für Lübeck ist nun erstmal Schluss. Nur drei Stunden nach der Kundgebung hat in der Bürgerschaft eine Mehrheit aus CDU, SPD und FDP beschlossen, die Einführung eines Straßenbahnsystems im Verkehrsentwicklungsplan nicht zu berücksichtigen.
„Damit wird ein Projekt beiseitegelegt, das nach allen vorliegenden Gutachten das größte Potenzial für eine nachhaltige, leistungsfähige und wirtschaftlich tragfähige Mobilitätswende in Lübeck besitzt“, bedauert Juleka Schulte-Ostermann, Bürgerschaftsmitglied der GAL diesen Beschluss. „Ein entscheidender Wendepunkt blieb ungenutzt, obgleich die erstellten Potenzialstudien, Verkehrswendeszenarien und eine detaillierte Kosten-Wirksamkeits-Analyse alle zu demselben Ergebnis kamen: Die Straßenbahn ist die wirtschaftlichste und leistungsfähigste Option für Lübeck – sogar ohne Berücksichtigung von Fördermitteln.“
Foto: K.Mentz /GAL
Fraktionskollege Sascha Luetkens, Bürgerschaftsmitglied der Linken kritisiert den Beschluss als faktisches Denkverbot über die Möglichkeit einer nachhaltigen Verkehrswende. „Der Ausbau der städtischen Busflotte ist nur begrenzt möglich, da Verkehrsknotenpunkten wie die Innenstadt nur eine bestimmte Anzahl von Bussen pro Stunde aufnehmen. Eine Straßenbahn, mit 40 Metern Länge, bietet ganz andere Möglichkeiten zur Beförderung vieler Personen, sie ist barrierearm und hat erwiesenermaßen – nach heutigem Wissen – das größte Potenzial, um mehr Menschen für den Umstieg auf umweltfreundliche Mobilität zu gewinnen.“ Andreas Müller, Vorsitzender der Fraktion Linke & GAL ergänzt: „Kiel macht es uns gerade vor und plant seit drei Jahren, nach einem umfangreichen Beteiligungsprozess den Bau einer Straßenbahn. Zu den 75 Prozent Fördermitteln vom Bund kommen noch 15 Prozent vom Land dazu. Lübeck hätte genauso wie Kiel den Eigenanteil über viele Jahre strecken können, dafür aber Fördermittel für die Ertüchtigung der Brücken erhalten. Es hätte sich also auch in finanzieller Hinsicht gelohnt, die Chance auf einen fortschrittlichen ÖPNV zu ergreifen.“, ist Andreas Müller sich sicher.
Foto: K.Mentz /GAL
„Heute ist ein schwarzer Tag für den Klimaschutz und die Verkehrswende“, bedauert die Fraktion Linke & GAL die Mehrheitsentscheidung in der Bürgerschaft. „In ein paar Jahren werden viele neidisch auf die Landeshauptstadt schauen und feststellen, dass CDU, SPD und FDP eine falsche Entscheidung getroffen haben. Wir werden die Idee einer Wiedereinführung der Straßenbahn weiterverfolgen, auch wenn es Jahre dauern wird, eine Gelegenheit wie heute erneut zu erhalten.“
Die Fraktionen Linke & GAL und SPD laden herzlich ein zur öffentlichen Veranstaltung „Zwischen Kostendruck und Menschlichkeit“, Vortrag und Diskussion zur Versorgung pflegebedürftiger Menschen und Neuausrichtung der Senior:inneneinrichtungen in Lübeck, am Montag, 01.12.2025, 18:00-20:00 Uhr, Aula der VHS, Am Falkenplatz 10, Lübeck (Fahrstuhl seitlich am Gebäude) Die Beiträge werden in Gebärdensprache übersetzt. Der Eintritt ist frei.
Ablauf der Veranstaltung: Kurzvortrag:Prof. Dr. Katrin Balzer, Uni zu Lübeck, Sektion für Forschung und Lehre in der Pflege
Anschließende Diskussion mit: Pia Steinrücke, Senatorin für Wirtschaft und Soziales Dr. Katrin Balzer, siehe oben Dr. Renate Schleker, Senior:innenbeirat der Hansestadt Lübeck Jesika Piater, Leiterin einer Senior:inneneinrichtung Doreen Boniakowsky, Gesundheitsnetzwerk Lübeck und Umgebung e.V.
Die Veranstaltung wird von Marco Sander (Forschungsgruppe Geriatrie) moderiert und von einer Gebärdendolmetscherin übersetzt.
Der Eintritt ist frei. Es wird die Möglichkeit geben, Fragen zu stellen und sich in die Diskussion einzubringen.
Zum Inhalt: Lübecks Einwohner:innen werden immer älter und dieser Bevölkerungsanteil nimmt zu. Umso dringender ist es, Vorsorge zu treffen, damit ältere Menschen in Lübeck geeigneten Wohnraum finden und Pflegebedürftige die Pflege erhalten, die sie benötigen – ob mobil oder stationär. Die Hansestadt Lübeck reagiert mit einem Paket zur „Strategischen Neuausrichtung“, das insbesondere Baumaßnahmen zur Sicherung der Versorgung alter und pflegebedürftiger Menschen beinhaltet.
Während der Veranstaltung wollen wir über Qualität und Finanzierbarkeit der Pflege in Zukunft sprechen, über Erkenntnisse aus Forschung und Lehre, über die Gewinnung von Fachkräften, gute Arbeitsbedingungen und positive Beispiele und Konzepte aus anderen Städten und Ländern.
Was wünschen sich die Älteren heute und wie stellt sich die nächste Generation Altwerden in Lübeck vor? Während der Diskussion wird die Möglichkeit gegeben, Fragen zu stellen oder eigene Statements abzugeben.
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