GAL: Gleichstellung in Lübeck stärken – Umsetzungslücken endlich schließen

Der aktuelle Tätigkeitsbericht des Frauenbüros, der am Donnerstag in der Bürgerschaft zur Kenntnis genommen wurde, macht deutlich, dass es in Lübeck erhebliche Defizite bei der Umsetzung von Gleichstellung gibt, so die Fraktion Linke & GAL. Hauptursachen sind fehlende Personalressourcen und eine unzureichende finanzielle Ausstattung.
Dazu erklärt Juleka Schulte-Ostermann, Bürgerschaftsmitglied der GAL:
„Der Bericht zeigt klar: Gute Beschlüsse allein reichen nicht. Ohne ausreichend Personal und finanzielle Mittel bleibt Gleichstellung in vielen Bereichen Stückwerk. Besonders kritisch ist die Situation beim 2. Aktionsplan Gleichstellung | Queer. Dessen Umsetzung ist akut gefährdet, nachdem die Rathausmehrheit aus Grünen, CDU und FDP im letzten Haushaltsbegleitbeschluss die notwendigen Personalstellen nicht bewilligt hat. Es ist politisch nicht nachvollziehbar, dass wichtige Gleichstellungsmaßnahmen beschlossen werden, aber gleichzeitig die Voraussetzungen für ihre Umsetzung fehlen“, so die GAL-Politikerin.
Lücken bei Umsetzung der Istanbul-Konvention
Auch bei der Umsetzung der Istanbul-Konvention bestehen gravierende Lücken. Fehlende Frauenhausplätze, lange Wartelisten bei Beratungsstellen und eine chronische Unterfinanzierung der Prävention verschärfen die Lage. Allein im Jahr 2025 mussten mehr als 1000 Frauen mit ihren Kindern aufgrund von Platzmangel abgewiesen werden.
„Das ist ein unhaltbarer Zustand. Schutz vor Gewalt ist kein ‚Nice-to-have‘, sondern eine staatliche Pflichtaufgabe. Wer hier spart, gefährdet Menschenleben“, betont Juleka Schulte-Ostermann.
Ein weiteres Problemfeld ist der Frauenanteil in den Führungen städtischer Gesellschaften. Lübeck weist seit Jahren den niedrigsten Frauenanteil in den Geschäftsführungen kommunaler Gesellschaften unter den norddeutschen Städten auf.
„Es kann nicht sein, dass gesetzliche Gleichstellungsziele ignoriert werden, ohne dass dies Konsequenzen hat. Wir brauchen wirksame Sanktionen für städtische Gesellschaften, die ihren Verpflichtungen nicht nachkommen“, fordert Juleka Schulte-Ostermann.
Besonders kritisiert sie Zielvorgaben von „Null“ zur Erhöhung des Frauenanteils in der Führungsebene, wie sie in der Vergangenheit festgelegt wurden: „Solche Zielsetzungen sind schlicht inakzeptabel und unverschämt und dürfen nicht folgenlos bleiben.“
Personalbedarf im Frauenbüro
Der Bericht macht zudem den erheblichen Personalmangel im Frauenbüro deutlich: Jährlich können rund 25 Stellenbesetzungsverfahren nicht begleitet werden. Gleichzeitig steigen die Anforderungen durch komplexere Beratungsanfragen.
„Wenn Gleichstellung strukturell nicht abgesichert wird, wird ein Grundrecht in der Praxis ausgehöhlt“, so Juleka Schulte-Ostermann.
Abschließend kündigt sie an:
„GAL und Linke werden im kommenden Haushalt erneut zusätzliche Mittel für Gewaltschutz und Gleichstellung beantragen. Wir erwarten von der Rathausmehrheit, dass diese Anträge nicht wieder pauschal abgelehnt werden. Gleichstellung ist ein Menschenrecht – und muss endlich auch so behandelt und finanziert werden.“

