„Im
Februar hatten wir den Leiter der Polizeiwache St. Jürgen, Herrn Stier,
als Gast in unserer monatlichen Sitzung,“ berichtete uns Volker Koß,
Sprecher der St.-Jürgen-Runde.
„Es waren auch rund zehn Bewohner der Virchowstraße gekommen. Sie
beklagten sich bei Herrn Stier, dass in ihrer Straße ständig auf beiden
Seiten auf dem Bürgersteig aufgesetzt geparkt würde.“
Die
Virchowstraße in St. Jürgen wurde 1926 mit den für Lübeck typischen
runden Bohlenbinderdächer-Doppelhäusern auf Erbpachtgrundstücken
angelegt. Die meist mit Hecken gesäumten
Gehwege – 40 cm Sandstreifen, 75 cm Platten, 1 m Sandstreifen – auf
beiden Seiten wirken heute dörflich. Die Fahrbahn ist 5,10 m breit. Die
breiten Sandstreifen zur Straße werden wild beparkt.
Foto: GAL
Die
Überwachung des Parkverkehrs ist Sache des Lübecker Ordnungsdienstes.
Der geht durch die Straße, hängt Bußgeldbescheide aber nur an Fahrzeuge,
die auf dem Plattenweg
stehen. Der Rest wird im Rahmen des Ermessensspielraums der Behörde
geduldet.
Der
Plattenweg allein, in den die Außenspiegel der Autos hineinragen, ist
aber für alle Generationen zu schmal – für die Kinder, die dort
Radfahren müssen, für die jungen
Erwachsenen mit Kinderwagen oder wenn sie zu zweit nebeneinander klönen
wollen, für die Senioren, die auf ihren Rollator angewiesen sind. Wenn
jemand entgegen kommt, wird‘s natürlich eng. „Immer wieder ist zu
beobachten, dass die Damen mit ihren Rollatoren
oder Hackenporsche die Fahrbahn benutzen müssen,“ erklärt Herr Behnke,
ein rüstiger Anwohner über 80. „Ich komme aus meiner Einfahrt bisweilen
nicht auf die Straße“ berichtet eine Anwohnerin. „Links und rechts steht
eng ein Auto, und gegenüber parkt ein anderes.“
Die
Lübecker Parteien und Wählergemeinschaften setzen sich in ihren
Kommunalwahlprogrammen für die Interessen der Fußgänger ein. Die seit
Mai gültige neue Straßenverkehrsordnung
(StVO) will die Fußgänger mit deutlich erhöhten Bußgeldern gegen
Gehwegparken unterstützen. Die „Allgemeine Verwaltungsvorschrift zur
Straßenverkehrsordnung“ setzt den örtlichen Behörden bundeseinheitliche
Grenzen. Dort steht: „Das Parken auf Gehwegen darf
nur zugelassen werden, wenn genügend Platz für den unbehinderten
Verkehr von Fußgängern gegebenenfalls mit Kinderwagen oder
Rollstuhlfahrern auch im Begegnungsverkehr bleibt“.
Nach
Angabe der Anwohner kommen die parkenden Autos weitgehend nicht aus der
Virchowstraße. Und sie wehren sich. Sie haben an die Stadt geschrieben –
keine Reaktion. Sie haben
Blumenkübel auf den Sandstreifen gestellt – und eine Abmahnung der
Stadt mit Bußgeldandrohung erhalten.
Wir,
die Fraktion Freie Wähler & GAL wissen, dass es in Lübeck in
manchen Gegenden zuviele Pkw für die vorhandenen Parkplätze gibt. Doch
in der Virchowstraße wird das Leben
der Anwohner zu stark eingeschränkt, um gegen die Vorschriften der StVO
Parkmöglichkeiten zu schaffen. Per Antrag im Ausschuss für Umwelt,
Sicherheit und Ordnung und Polizeibeirat fordern wir, dass der
Innensenator seinen Ermessensspielraum beim Parken generell
den neuen Gegebenheiten anpasst und dass er mit den Anwohnern der
Virchowstraße ein Parkkonzept, das der StVO entspricht, erstellt und
umsetzt.
Vermutlich
ist die Virchowstraße in Lübeck kein Einzelfall. Sie wurde nach dem
Lübecker „Gesetz zur Anlage der Straßen in den Vorstädten“ von 1873
gebaut. Wenn Sie in einer
entsprechenden Straße wohnen und dieselben Probleme haben, schicken Sie
uns bitte eine Mail an:
Fraktion Freie Wähler & GAL kritisiert Senator Hinsen und die Lübecker GroKo:
Foto: K. Mentz, Fridays for Future 2019
Anfang
des Jahres legte die Verwaltung einen Bericht mit 49 konkreten
Klimaschutzmaßnahmen vor, die in Lübeck kurzfristig und mittelfristig
umgesetzt
werden können. Passiert ist seither nichts. Zwar erscheint der Bericht
seit März regelmäßig auf der Tagesordnung von Ausschüssen und
Bürgerschaft. Doch immer wieder wird der Bericht vertagt, der von
Politik eigentlich nur zur Kenntnis genommen werden müsste.
Die
GAL hatte den Umgang mit Klimaschutz in Lübeck bereits immer wieder
scharf kritisiert. „Ist Senator Hinsen die Bedeutung des Themas nicht
bewusst?
Wo bleibt der Nachdruck, mit dem ein Umweltsenator sich für
Klimaschutzbelange einsetzen sollte? Mit Stadtradeln ist es nicht
getan“, kritisiert Bürgerschaftsmitglied Antje Jansen die mangelhafte
Prioritätensetzung.
Für
Rüdiger Hinrichs (Freie Wähler), der die Fraktion im Ausschuss Umwelt,
Sicherheit und Ordnung vertritt, ist nicht nachvollziehbar, warum der
Bericht immer wieder durch Zurückstellung verschleppt wird. „Wir hatten
ausreichend Zeit, den Bericht durchzuarbeiten. Beim Klimaschutz müssen
wir auf die Tube drücken und konkrete Maßnahmen umsetzen.“ Auch Rüdiger
Hinrichs versteht nicht, warum der zuständige
Senator das Thema Klimaschutz nicht wesentlich vehementer verfolgt. „Es
entsteht der Eindruck, Klimaschutz interessiere ihn nicht.“
Genervt
ist auch Carl Howe (GAL), der sich im Bauausschuss seit Jahren immer
wieder durch Anträge für konkreten Klimaschutz einsetzt. Auch im
Bauausschuss
wurde das Maßnahmenpaket der Verwaltung erneut vertagt. „Die SPD sah
noch Beratungsbedarf und will Anträge dazu stellen. Klimaschutz wird auf
die lange Bank geschoben, ausgebremst oder abgelehnt. Wir könnten beim
Erreichen der Klimaziele wesentlich weiter
sein“, kritisiert er die Lübecker GroKo.
Mit
der Feststellung des Klimanotstands im Mai 2019 wurde die Verwaltung
aufgefordert, ein kurzfristiges Maßnahmenpaket zum Klimaschutz
vorzulegen,
um bis 2030 die Hälfte der Treibhausgasemissionen in Lübeck einzusparen
und so einen Beitrag zu leisten, die weltweite Erderwärmung auf maximal
1,5°C zu begrenzen.
„Die Lage ist ernst. Uns bleibt nicht mehr viel Zeit“, mahnt Fraktionsvorsitzende Antje Jansen (GAL).
Homeoffice ist keine alternative Form der Kinderbetreuung!
„Arbeit
im Homeoffice und gleichzeitig Kinder betreuen, das geht nicht“, stellt
Juleka Schulte-Ostermann von der GAL Wähler*innengemeinschaft
klar. „Die Landes- und Bundesregierung tut jedoch seit Wochen so, als
wäre dies kein Problem und stuft Homeoffice als Alternative zur
Kinderbetreuung ein. Mehrheitlich entscheiden in der Politik Männer, die
persönlich überhaupt nicht beurteilen können, was
Eltern seit Wochen zugemutete wird. Wenn Eltern die Schularbeiten ihrer
Kinder beaufsichtigen, ihnen dabei Hilfestellung geben und parallel
noch jüngere Kinder betreuen, können sie nicht gleichzeitig im
Homeoffice die volle Arbeitsleistung für den Arbeitgeber
erbringen. Berufstätige Eltern leisten seit Wochen einen Spagat, der
sie mittlerweile zerreißt. Leidtragende sind hierbei auch die Kinder,
denn sie erleben die massiven Einschränkungen auf vielfältige Weise:
gestresste Eltern, fehlende Kontakte zu anderen
Kindern, Homeschooling unter teilweise schwierigen Bedingungen und dazu
über Wochen mangelnde Bewegung und stark eingeschränkter Raum zum
Spielen.
Deshalb
fordert die Fraktion Freie Wähler & GAL in einem Antrag zur
Bürgerschaft, dass Eltern eine Wahlmöglichkeit erhalten sollen:
Entweder soll es unter Einhaltung der Hygienevorschriften eine
bedingungslose Betreuung für Kinder geben
oder die Möglichkeit für Eltern, bedingungslosen Einkommensersatz
zu erhalten, wenn Kinder zu Hause betreut werden. Könnten Eltern sich
unbürokratisch für Einkommensersatz entscheiden, würde erheblicher Druck
von den Familien abfallen. Der Druck, Kinder
wieder in die Betreuungseinrichtungen zu geben, wäre dann ebenfalls
weniger hoch. Diese Wahlmöglichkeit soll auf Landes- und Bundesebene
eingefordert werden.
Foto: Hagerty Ryan/pixnio
Auch
für fehlende Räumlichkeiten hat die Fraktion kreative Ideen: „Die
Verwaltung soll Alternativen prüfen. So könnten kleine Gruppen
von Kindern in den Lübecker Parks betreut werden, Räume in Lübecks
Museen oder Sporthallen nutzen oder zum Spielen und Basteln
beispielsweise auch in St. Petri einkehren. Sofern Personalkapazitäten
vorhanden sind, sollte es nicht an den Räumlichkeiten scheitern.
Besonders
dringenden Handlungsbedarf sieht die Fraktion bei der Unterstützung von
Kindern mit besonderem Förder- und Therapiebedarf.
Bis Ende Mai sollen Lösungen entwickelt werden, damit geplante Förder-
und Therapiemaßnahmen für Kinder mit besonderem Förderbedarf und Kinder
mit Behinderung durch die dafür ausgebildeten Fachkräfte stattfinden.
GAL Wahlplakat 2018
Antje
Jansen, Fraktionsvorsitzende der Freien Wähler & GAL lobt die
Arbeit der ehrenamtlichen Elternvertretungen und des Vereins
Elternstimme.
Elternstimme e.V. hat eine aussagekräftige Umfrage veröffentlicht, bei
der über 1.100 Eltern teilgenommen haben. „Die Ergebnisse machen
deutlich, dass viele Eltern dringend mehr Unterstützung brauchen. An
dieser Stelle herzlichen Dank an die Eltern, die sich
innerhalb dieser besonderen Situation weiterhin ehrenamtlich für die
Bedarfe von Kindern und deren Eltern engagieren und stark machen.“
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