Bartelsholz: Wessen Interessen vertritt die Bürgerschaft?

Unter Verweis auf enge Fristen von TenneT hat die Bürgerschaftsmehrheit (CDU, Grüne, FDP, SPD) in der Januar-Sitzung einen Kurswechsel vollzogen und den Bürgermeister beauftragt, die Überspannung des Bartelsholz als Vorzugstrasse zu unterstützen. Linke & GAL widersprechen: Statt Waldzerstörung in Kauf zu nehmen, müsse die Nordumgehung über landwirtschaftliche Flächen konsequent geprüft und verhandelt werden.

Hochspannungsmast in OH

Im Umweltausschuss waren sich noch alle Fraktionen weitgehend einig: Der Bürgerschaftsbeschluss aus Juli 2025 wurde bekräftigt und erneut beschlossen: Die Hansestadt Lübeck setze sich für die Nordumgehung des Bartelholz ein. TenneT solle bei Gesprächen mit den Eigentümer:innen und Landwirt:innen durch die Hansestadt Lübeck bis 31.03.2026 unterstützt werden. Erst wenn sich nach den Verhandlungen herausstellen sollte, dass eine Nordumgehung nicht möglich sei, setze sich die Stadt für die Überspannungsvariante ein.

Sechs Tage später schickte TenneT ein Schreiben an die Hansestadt Lübeck, worauf der Bereich Stadtwald ein Schreiben an die Fraktionen verfasste. Darin wird den Bürgerschaftsmitgliedern eine Frist gesetzt: „Ein Planänderungsantrag hinsichtlich der Überspannung müsste spätestens bis Mitte März beim Amt für Planfeststellung Energie eingereicht werden, da bis Ende 2026 der Planfeststellungsbeschluss vorgesehen ist“, heißt es in dem Schreiben, das den Fraktionen nur vier Stunden vor Sitzungsbeginn der Bürgerschaft zuging. „TenneT benötigt daher schnellstmöglich eine Aussage der HL zur Überspannung, weshalb ein positiver Beschluss zur Überspannung noch in der Januar-Bürgerschaft getroffen werden muss„, ist dort fettgedruckt zu lesen.

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GAL: Bartelsholz retten, echte Verhandlungen ermöglichen!

 
Um das Bartelsholz zu erhalten und die Nordumgehung der Stromtrasse zu ermöglichen, soll der Bürgermeister auf Antrag von Bündnis 90/ Die Grünen, CDU und FDP beauftragt werden, „unverzüglich Kontakt zu den Eigentümern aufzunehmen und die Bedingungen eines Erwerbes / Pachtung der für die Maststandorte und Leitung benötigten Flächen auf der Nordumgehung zu klären.“
Das wird von unserer Fraktion Linke & GAL ausdrücklich unterstützt.

Weiter heißt es in dem Antrag der Jamaika-Fraktionen:

Es werden dabei keine Haushaltsmittel der Hansestadt Lübeck in Anspruch genommen und es werden keine Flächen der Stadt zum Tausch oder Verkauf angeboten.“

Diese Einschränkung eines Gesprächsverlaufs stößt allerdings auf scharfe Kritik bei der Fraktion Linke & GAL.

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GAL lehnt Kuhhandel mit TenneT ab:

Fraktion Linke & GAL lehnt Kuhhandel mit TenneT ab: Waldschutz ist Klimaschutz, Alternative ist möglich

Im Januar wird im Umweltausschuss sowie in der Bürgerschaft über eine Verwaltungsvorlage abgestimmt, in der es darum geht, ob die Stadt Lübeck auf einen Vorschlag des Übertragungsnetzbetreibers TenneT eingehen soll oder an dem bisherigen Beschluss festhält, der die Landesregierung und die Planfeststellungsbehörde beim Bau der 380/110-kV-Elbe-Lübeck Leitung um Prüfung einer alternativen Trassenführung bittet. Seit Monaten setzt sich das „Bündnis Lübecker Stadtwald retten“ für den vollständigen Erhalt des Waldes Bartelsholz und eine Trassenführung nördlich des Waldgebietes ein. Die Fraktion Linke & GAL unterstützt weiterhin diese Forderung: „Die Rodung von wertvollen Waldflächen bleibt für uns inakzeptabel. Die Alternative muss ernsthaft geprüft werden. Die Stadt Lübeck darf nicht vorzeitig einknicken.“

Der Übertragungsnetzbetreiber TenneT plant den Bau der 380/110-kV-Elbe-Lübeck-Leitung mitten durch den Stadtwald Bartelsholz, 10 ha Wald würden dafür gerodet. Die Bürgerinitiative „Bündnis Lübecker Stadtwald retten“, der Lübecker Umweltorganisationen und engagierte Einzelpersonen angehören, setzt sich für den vollständigen Erhalt des Waldes ein und fordert eine Umgehungstrasse, die nördlich des Waldes über landwirtschaftliche Flächen verlaufen könnte.

Im Juli 2025 stellte sich auch die Lübecker Bürgerschaft mit breiter Mehrheit hinter diese Forderung des Bündnisses und bat die Landesregierung und Planfeststellungsbehörde, die alternative Trassenführung zu prüfen, bei der der Wald unversehrt bliebe.

Im Oktober teilte TenneT daraufhin der Stadt Lübeck mit, die Nordumgehung aufgrund wirtschaftlicher Mehrkosten und „aus eigentumsrechtlicher Sicht“ nicht in das Planfeststellungsverfahren aufnehmen zu wollen. Auch eine Waldüberspannung stuft das Unternehmen als unwirtschaftlich ein, wäre aber bereit, diese Variante einzubringen – allerdings nur, wenn die Hansestadt Lübeck ihr zustimmt und von der Forderung einer Umgehungstrasse Abstand nimmt. Ohne Zustimmung würde TenneT an der ursprünglichen Planung einer vollständigen Durchschneidung des Waldes festhalten.

„Das gleicht einem Erpressungsversuch“, so Katja Mentz, Umweltpolitikerin der Fraktion Linke & GAL. „Gleichzeitig belegt dieser Vorschlag von TenneT, dass ein alternativer Trassenverlauf möglich ist und in erster Linie aus Kosten- und eigentumsrechtlichen Gründen nicht ernsthaft in Erwägung gezogen wurde. Es muss endlich mit den betroffenen Landwirten gesprochen und ein für sie attraktives Angebot verhandelt werden. Ein Klimaprojekt darf nicht aus finanziellen Gründen gegen ein anderes ausgespielt werden, wenn eine mögliche, umweltverträgliche Alternative auf der Hand liegt.“

Deshalb kritisierte die GAL-Politikerin Ende des Jahres 2025 im Umweltausschuss den Vorschlag der Verwaltung, auf das Angebot von TenneT einzugehen. „Für eine Überspannung des Waldes würden immer noch 5 Hektar Wald für Maststandorte und Zufahrten gerodet werden, darunter wertvolle, bis zu 160 Jahre alte Eichen und Buchen und wichtige Habitatbäume. Das steht im krassen Widerspruch zum Klimaschutz, der mit dem Bau der Stromtrasse doch eigentlich verbessert werden soll. Deshalb sagt schon der klare Menschenverstand, dass umweltverträgliche Alternativen vorgezogen werden müssen“, ist Katja Mentz überzeugt.

Im Umweltausschuss machte sich auch Reinhard Degener, seit Jahrzehnten erfahrener Naturschützer und stellvertretender Lübecker Naturschutzbeauftragter, dafür stark, dass die Hansestadt Lübeck als Eigentümerin des Waldes weiterhin auf eine Umgehung des Bartelsholzes bestehen solle.

„In seinem ausführlichen Plädoyer machte der bekannte Naturschützer sehr deutlich, dass auch das Bundesverwaltungsgericht erst kürzlich bestätigte, dass im Rahmen der Planfeststellung machbare Alternativen ernsthaft und vollständig zu prüfen seien. Zudem fehle die vollständige Klimabilanzierung des Gesamtprojektes und die Vorgehensweise von TenneT stehe im Widerspruch zum Allgemeinwohlanspruch des Grundgesetzes gegenüber öffentlichem Wald und dem Klimaschutz. Deshalb könne eine Entscheidung nur „nach echter Alternativenprüfung und nach Abwägung aller relevanten Belange getroffen werden, nicht aber bereits im Vorwege“. So bat der Naturschutzbeirat im Umweltausschuss darum, die Beschlussvorlage der Verwaltung abzulehnen und an der Forderung festzuhalten, dass eine Umgehung des Waldes als Alternative zur Waldquerung in wirtschaftlicher, ökologischer und sozialer Hinsicht ernsthaft und umfassend geprüft wird.

Juli 2025 im Bartelsholz

Eine Entscheidung darüber wurde im Umweltausschuss ebenso wie in der Bürgerschaft im November vertagt. Nun wird es im Januar erneut Thema in den Gremien sein. „Es ist wichtig, dass wir uns als Politik jetzt noch einmal klar positionieren“, appelliert GAL-Mitglied Katja Mentz an andere Bürgerschaftsfraktionen. Der geplante Besuch des schleswig-holsteinischen Umweltministers Goldschmidt beim „Bündnis Lübecker Stadtwald retten“ im Bartelsholz wurde aus Wettergründen leider abgesagt.

„Als GAL und Linke werden wir dem „Bündnis Lübecker Stadtwald retten“ weiterhin politisch den Rücken stärken und bedanken uns für das großartige Engagement. Den Vorschlag der Verwaltung, eine Überspannung des Waldes zu akzeptieren, lehnen wir ab. Waldschutz ist Klimaschutz.“

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